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Bundesgymnasium Bregenz Blumenstraße

Blumenstr. 4HTBS
6900 Bregenz

Projektbeschreibung:

RettungssanitäterInnen, NotfallmedizinerInnen und alle anderen, die im Rettungsdienst aktiv waren oder noch sind, wissen es: Ein medizinischer Notfall ist für Rettungskräfte leichter zu managen, wenn ErsthelferInnen zuvor die richtigen lebensrettenden Sofortmaßnahmen ergriffen haben. Gleichzeitig ist bekannt, dass nur eine relativ kleine Zahl der Erwachsenen im Notfall in der Lage ist, richtig zu reagieren.
Aus Jugendrotkreuzgruppen wissen wir, dass Jugendliche die besseren ErsthelferInnen sind, besser als die meisten Erwachsenen. Dies hat mich schon vor vielen Jahren dazu veranlasst, einen Erste-Hilfe-Kurs in den Biologieunterricht der Gymnasiums-Unterstufe einzubauen. Nach einigen Versuchen hat sich herausgestellt, dass die fünfte Schulstufe dafür ideal geeignet ist.

Ein in den Biologieunterricht eingebauter Erste-Hilfe-Kurs verändert das soziale Denken und das Sicherheitsdenken der Schülerinnen und Schüler nachhaltig. Zudem bekommt die Lehre vom menschlichen Körper einen neuen Inhalt. Es werden den SchülerInnen nicht mehr nur Skelett, Muskeln, Hirn, Herz und andere Organe ins Heft diktiert. Man bespricht Gefahrenzonen und bringt den jungen Menschen damit Sicherheitsdenken bei. Man bespricht Bewusstlosigkeit und bringt ihnen das Gehirn nahe. Man erklärt den Herz-Kreislauf-Stillstand, übt die Erste-Hilfe-Maßnahmen und nimmt gleich Herz und Lunge mit in das Kapitel.

Bereits ein Jahr vor dem Start der Arbeitsgruppe „Erste Hilfe in Bewegung“ wurde das neue Unterrichtsmodell auf der 4. Bildungsmesse in Hall in Tirol vom 3. bis 5. Juni 2004 vorgestellt. SchülerInnen des BG Blumenstraße und des PG Riedenburg fuhren nach Tirol, um das Projekt einem internationalen Publikum zu präsentieren. Der von den SchülerInnen vorbildlich gestaltete Messestand erwies sich rasch als Publikumsmagnet. In Gesprächen mit LehrerInnen, SchülerInnen und SchulpolitikerInnen wurde der Wunsch geäußert, die erste Hilfe verpflichtend in den Regelunterricht einzubauen.

Der Wunsch ging insofern in Erfüllung, als Ministerin Gehrer die Arbeitsgruppe „Erste Hilfe in Bewegung“ ins Leben rief. Im Oktober 2005 trafen sich mehrere ÄrztInnen und LehrerInnen aus ganz Österreich im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg, um die weitere Vorgehensweise zu beraten.
Es folgten zwei weitere Seminare (im April 2006 in Linz und im November 2006 in Graz). Nach dem Herbstseminar in Graz kam eine Ruhephase, in der mehrere LehrerInnen aus den Arbeitsgruppen unseres Projekts in Zusammenarbeit mit dem Jugendrotkreuz eine Resolution zusammenstellten.
Auszüge:

  • Jede/r Pädagoge/in muss vor Abschluss ihres/seines Studiums einen 16-stündigen Grundkurs abgeschlossen haben. Diese Bestimmung existiert jetzt bereits in allen Pädagogischen Akademien und Berufspädagogischen Akademien (sie muss neben dem Studium auf eigene Kosten gemacht werden, es fallen somit keine zusätzlichen Kosten für das BMUKK an), nicht jedoch beim Lehramt an der Uni.
  • Jede Schule muss zumindest eine/n Lehrbeauftragte/n in erster Hilfe haben. Nur so ist eine fachlich korrekte Ausbildung der SchülerInnen an den einzelnen Schulen überhaupt möglich. (In OÖ ist die Ausbildung in der ersten Ferienwoche, somit fallen keine Kosten für BMUKK an.
  • In allen berufsbildenden mittleren und höheren Schulen, wo im Lehrplan der Begriff Unfallverhütung vorkommt, muss auch erste Hilfe verpflichtend mit unterrichtet werden. Denn nur die sofort geleistete erste Hilfe kann nach einem Unfall die Unfallfolgen und Unfallkosten reduzieren.
  • Jede/r Pädagoge/in, die/der in einem Bereich mit erhöhter Verletzungsgefahr unterrichtet (Turnen, Chemie, Werken, Küche und Werkstätten an BMHS) muss in erster Hilfe ausgebildet sein und sich jährlich weiterbilden.
  • Mittelfristig ist die erste Hilfe in den Regelunterricht (Biologie, Sport) ab der 5. Schulstufe (1. Klasse Hauptschule, 1. Klasse Gymnasium) zu übernehmen.

Ob und wann diese Wünsche verwirklicht werden, ist zurzeit noch nicht bekannt. Es ist aber zu erwarten, dass das Hauptprojektziel von „Erste Hilfe in Bewegung“, nämlich der Einbau der ersten Hilfe in den Regelunterricht, in naher Zukunft umgesetzt wird, da in mehreren Ländern ähnliche Bestrebungen in Gang gekommen sind. Auf die positiven Auswirkungen der ersten Hilfe auf die Gesundheit der Bevölkerung und die soziale Einstellung der SchülerInnen kann keine Schulpolitik mehr verzichten.

Autor: OstR. Mag. Dr. Rudolf Öller Unterrichtstätigkeit am BG Blumenstraße in Bregenz (Biologie, Physik, Informatik), Ehrenamtlicher Rettungsfahrer und Rettungssanitäter in der Rotkreuz-Abteilung Bregenz, Lehrbefähigung für erste Hilfe

Bilder: Schüler auf der Bildungsmesse „Bildung online“ in Hall in Tirol (Juni 2004)

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